Du wirst ein Kind empfangen

Fra Angelico Verkündigung Cortona

Die Farben dieses Bildes stimmen froh.
Der Blick des Betrachters wird zuerst auf die Augen Marias gerichtet,
denn ihr Gesicht ist dem Betrachter teilweise zugewandt.
So lädt Maria ein, während sie gleichzeitig den Engel anschaut.

Sie neigt ihren Kopf ein wenig nach unten,
während ihre Augen auf den Engel gerichtet sind.
Dieser wiederum verbeugt sich auch vor ihr und schaut sie an.
Beide begegnen sich "auf Augenhöhe" und verbeugen sich voreinander.
Das ist es, was mich an diesem Bild so fasziniert.

Andere Darstellungen der Verkündigung lassen Maria
beschämt auf den Boden blicken oder der Engel kommt
sogar von hinten und "überfällt" Maria.
In einer dritten Art, kommt der Heilige Geist von oben
und trichtert Maria etwas ein.

Fra Angelico malte die Verkündigung Marias als
eine Begegnung von Angesicht zu Angesicht.
Der Engel und Maria schauen sich beide in die Augen
und verbeugen sich gleichzeitig voreinander.

Eine äußerliche Bewegung des Respektes und der Ehrfurcht vor dem anderen,
verbunden mit dem offenen Blick für einander
drückt innerlichen Verbundenheit aus.

Maria hält ihre Hände verschränkt über ihrem Herzen,
daran erkennt man wie große Freude in ihr aufflammt,
so dass sie an sich halten muss.
Sie hält an sich, weil sie noch gar nicht begreifen kann,
was ihr da verheißen wird:

"Der Heilige Geist wird über dich kommen
und du wirst ein Kind empfangen.
Du wirst Mutter des Höchsten genannt werden."
                        (vgl. Lk 1,31-35)

Mit der Verbeugung zeigt Maria auch,
dass sie bereit ist ihre große Aufgabe
zu übernehmen und dem Herrn zu dienen.

Der Engel weißt mit seinem linken Zeigefinger nach oben auf Gott
und mit seiner rechten Hand auf Maria.
Seine Gestik hat nichts von einem erhobenen Zeigefinger,
der Achtung gebietet. Er weist nach oben auf Gott hin.
Er ist nur der Bote Gottes, der Maria die Menschwerdung verkündet.

Das Bild strahlt eine innere Ruhe und Ausgeglichenheit aus,
was der Maler durch ein gleichschenkliges Dreieck erreichte.
Der Engel und seine Worte bilden die untere Kante. Maria und
Gott Vater im Zwickel die rechte Kante und schließlich Gott Vater
und der Engel die linke Seite.
Durch diese gleichmäßige Anordung vermittelt das Bild Harmonie.

Die Bekleidung der Personen unterstreicht das Geschehen.
Maria trägt ein rotes Gewand. Rot als Farbe der Liebe
und des Blutes steht für die Menschheit.
Ihr blauer Mantel mit der Farbe des Himmels umhüllt sie.
Er steht für ihre Verbindung mit Gott und für das Gebet.
Die beiden Farben bedeuten: In Maria begegnen sich Mensch und Gott.

Das kunstvoll verzierte Gewand des Engels ist ganz in rosa und gold gehalten.
Das Rosa steht für die Unschuld und die göttliche Liebe.
Gold als Farbe der Sonne bzw. des göttlichen Lichtes
zeigt den göttlichen Ursprung des Engels.
Seine Flügel deuten auf die Leichtigkeit und auf sein geistiges Wesen hin.
Er strahlt das göttliche Licht aus, was der Maler mit einem leichten Lichtschimmer
um den Engel herum andeutet.

Im Hintergrund oben links erkennt man wie ein Engel Adam und Eva aus dem Paradies vertreibt. Die Blicke Adams und Evas sind von Gott abgewandt und beschämt nach unten gerichtet. Es ist das Kontrastgeschehen zum Vordergrund
und stammt aus dem Buch der Genesis.
Der Maler stellt die Verlorenheit und das Gebrochene des Menschen in den Hintergrund und ordnet die Befreiung und Erlösung im Vordergrund an.
Das, was damals in der Vergangenheit "schief gelaufen" ist,
wird nun im Vordergrund durch den Engel und Maria wieder gut gemacht.

Persönlich gedeutet zeigt das Bild wie jeder Einzelne mit seinen Fehler, Schwächen, mit
seinem Versagen und üblen Umstände in der Vergangenheit seine Unschuld verloren hat. Und gleichzeitig wie in jedem immer wieder durch die Begegnung mit Gott neues Leben aufkeimt.
Hervorgerufen durch die Menschwerdung Gottes in Maria.

(Text: Oliver Heck)


Lizenzhinweise / Bildnachweis / Credits / Hinweis für die Verwendung:
(Bildquelle: http://images.zeno.org (Fra Angelico Verkündigung Ort: Museum Cortona/Italien, Jesuitenkirche 1433-34) Lizenz: gemeinfrei

Hintergrund-Muster, Quelle: P. Oliver Heck, eigene Bilder, Verwendung siehe -->Lizenzen

Text: P. Oliver Heck Meditationstext, Verwendung siehe -->Lizenzen