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Meditation / Dreifaltigkeit

Dreifaltigkeitsfresko von Urschalling - Weiblichkeit Gottes

©Thomas Heck, mit freundlicher Genehmigung

Dieses Fresko stammt aus dem Kirchlein St. Jakob in Urschalling, einem Weiler bei Prien am Chiemsee in Oberbayern.

Entdeckt wurden die Fresken dieses Kirchleins erst 1923 von einer Frau, die den Putz abkratzte unter dem sie verborgen waren. Die Kirche wurde zwischen 1160 und 1200 erbaut. Um das Jahr 1550 wurden die Fresken überdeckt. Auffallend viele Frauengestalten sind in diesem Kirchlein abgebildet. 

Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass diese Bild die Dreifaltigkeit darstellt. Die Heiligenscheine gehen ineinander über und der gemeinsame Mantel deutet auf die Einheit der drei göttlichen Personen hin. Links kann man Jesus Christus erkennen rechts Gott-Vater und in der Mitte den Heiligen Geist.

Die Person in der Mitte ist eindeutig eine Mädchen oder Frauengestalt. Die femininen Gesichtszüge und die Art des Kleides sprechen ziemlich eindeutig dafür, dass es sich um eine weibliche Gestalt handelt. Verschiedene Deutungen sprechen von der Personifizierung der göttlichen Liebe (caritas) von der Göttlichen Weisheit (sophia). Das Bild regt dazu an über unser Bild von Gott nachzudenken. Ist es nicht so, dass für uns Gott wie selbstverständlich männlich ist? Und doch wissen wir von unserem Glauben her, dass Gott kein Geschlecht hat. Im Buch Genesis (1,27) heißt es dass er Adam und Eva als sein Abbild schuf. Der Glaube der Israeliten bezeugt einen Gott, der nicht nur männliche, sondern auch weibliche Züge trägt. Gott ist vollkommen und nicht ergänzungsbedürftig wie die beiden menschlichen Geschlechter. Es tut gut dem Herrn auch weibliche Züge zuzuschreiben. All die positiven Eigenschaft die man i.a. Frauen zuschreibt kann man auch in Gott finden: Einfühlungsvermögen, Intuition, Sanftmütigkeit... und vor allem Barmherzigkeit. Das Alte Testament, das in Hebräisch geschrieben wurde, spricht oft von der Barmherzigkeit Gottes. 

Die Haupttermini für das göttl. Erbarmen leiten sich etymologisch von zwei Grundideen ab: von "mütterlich sein" und von sich herabneigen" (raham) in mitfühlender Teilnahme; Gefühl des Mitleids und den daraus resultierenden Erweis der liebenden Zuneigung. (Jes 55,7 * Hos 14,4)

Einer der wichtigsten Wesenszüge Gottes ist als mütterlich sein zu können. Vielleicht wollte dies der unbekannte Maler mit dem Fresko ausdrücken. Zur Ergänzung liste ich noch Bibelstellen zu diesem Thema auf.

Bibelstellen, die die Mütterlichkeit Gottes näher umschreiben:

Gott wie eine Mutter

Ps 131:2 Ich ließ meine Seele ruhig werden und still; wie ein kleines Kind bei der Mutter ist meine Seele still in mir.

Vater mit mütterlichen Qualitäten: Jer 31:9 Weinend kommen sie, und tröstend geleite ich sie. Ich führe sie an wasserführende Bäche, auf einen ebenen Weg, wo sie nicht straucheln. Denn ich bin Israels Vater, und Efraim ist mein erstgeborener Sohn. 31:20 Ist mir denn Efraim ein so teurer Sohn oder mein Lieblingskind? Denn sooft ich ihm auch Vorwürfe mache, muß ich doch immer wieder an ihn denken. Deshalb schlägt mein Herz für ihn, ich muß mich seiner erbarmen - Spruch des Herrn.

Jes 46:3 Hört auf mich, ihr vom Haus Jakob, und ihr alle, die vom Haus Israel noch übrig sind, die mir aufgebürdet sind vom Mutterleib an, die von mir getragen wurden, seit sie den Schoß ihrer Mutter verließen.

Jes 49:15 Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: ich vergesse dich nicht.

Jes 66:13 Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröste ich euch; in Jerusalem findet ihr Trost.

Szenen des Kindes mit seiner Mutter

Ps 51:9 Entsündige mich mit Ysop, dann werde ich rein; wasche mich, dann werde ich weißer als Schnee.

Ps 73:23 Ich aber bleibe immer bei dir, du hältst mich an meiner Rechten.

Ps 81:11 Ich bin der Herr, dein Gott, / der dich heraufgeführt hat aus Ägypten. Tu deinen Mund auf! Ich will ihn füllen.

Ps 121:3 Er läßt deinen Fuß nicht wanken; er, der dich behütet, schläft nicht.

Ps 139:5 Du umschließt mich von allen Seiten und legst deine Hand auf mich. 139:6 Zu wunderbar ist für mich dieses Wissen, zu hoch, ich kann es nicht begreifen.

Jes 49:15 Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: ich vergesse dich nicht.


Lizenzhinweise / Bildnachweis / Credits / Hinweis für die Verwendung:
Das Foto aus Urschalling wurde von P. Thomas Heck hergestellt. Alle Rechte liegen beim Autor. Er erteilte mir die Genehmigung zur Veröffentlichung hier auf dieser Web-Seite.

Text: P. Oliver Heck Verwendung siehe -->Lizenzen